Geschichte Brasilien

Kolonialzeit

Der Vertrag von Tordesilhas aus dem Jahr 1494 hielt fest, dass sich Portugal und Spanien das damals unbekannte Südamerika teilen wollen, dabei ging die östliche Region an Portugal, der westliche Teil an Spanien. 1500 kam schließlich der portugiesische Seefahrer Pedro Alvares Cabral in den Bundesstaat Bahia und erobert es für Portugal. 49 Jahre später wird mit Salvador da Bahia die erste Hauptstadt benannt. Indios werden zu Sklaven und auf den Zuckerrohrplantagen für harte Arbeit eingesetzt. Viele von ihnen sterben. Die Kolonialherren ließen schließlich aus Afrika neue Sklaven holen. Im 17. Jh. kamen die Niederlände in das heutige Brasilien und eroberten kurzfristig einen Teil des Landes, wurden jedoch 1654 in der Schlacht von Guararapes bezwungen. Es folgten Aufstände der schwarzen Sklaven gegen ihre Unterdrückung.

König- und Kaiserreich

Anfangs des 19. Jh., Rio de Janeiro war bereits Hauptstadt seit 1763, sendete Napoléon Bonaparte Truppen nach Portugal, daraufhin floh der König João VI. ins heutige Brasilien und lebte dort in der Hauptstadt Rio. Mit französischer Besetzung des Mutterlandes wurde die Kolonie Brasilien plötzlich zum Zentrum des portugiesischen Weltreiches und erlangte mit Beschluss des Wiener Kongresses im Jahr 1815 die Gleichstellung. João VI. kehrte 1821 zurück nach Portugal, die Armee Napoleons war abgezogen und die Herrschaft in Brasilien übernahm fortan Pedro, der Sohn des portugiesischen Königs. Am 7. September 1822 sprach Pedro in São Paulo Brasiliens Unabhängigkeit von Portugal aus. 2 Wochen später ernannte er sich selbst zum Kaiser von Brasilien. In Folge von Aufständen trat Pedro jedoch mit der Zeit von seinem Amt zurück, ging nach Portugal zurück um dort den Thron seines Vaters zu übernehmen. In Brasilien hatte nun der erst fünfjährige Sohn Pedro II. die Herrschaft.

Regentenzeit

Während der Regentenzeit, die sich aus einer Klausel im Vertrag nach Abdankung des Kaisers ergab, kam es in der südbrasilianischen Provinz Rio Grande do Sul zu Auflehnungen gegen das brasilianische Kaiserreich. Es entfachte ein Krieg der 10 Jahre dauern sollte (Farrapen-Revolution, 1835 – 1845).

2. Kaiserreich

Pedro II. wurde 1840 zum Kaiser ernannt. Paraguay erklärte im Jahr 1864 Brasilien den Krieg und wurde erst nach 5 Jahren von brasilianischen, argentinischen und den Truppen aus Uruguay blutig niedergeschlagen. In der Welt geschah während dieser Zeit etwas, das Brasilien wirtschaftlich über die schweren Kriegsjahre hinweghelfen sollte – Naturkautschuk war plötzlich ein sehr gefragtes Produkt und Brasilien wurde zu einem der größten Exporteure der neuen Gummimasse, die zur Herstellung von Gummibällen, Gefäßen und Schläuchen diente. 1888 schaffte Kronprinzessin Isabella, Tochter Pedros II. offiziell die Sklaverei ab. Es kam zu Aufständen und einem Militärputsch. Der Kaiser ging 1889 ins Exil, die erste Republik entstand.

Republik / Zeit der Weltkriege

1891 erlies Marschall Manuel Deodoro da Fonseca die Vereinigten Staaten von Brasilien. Das Land, welches von einer Oligarchie bestimmt war, einer „Herrschaft der Wenigen“, konzentrierte sich auf die Produktion von Kaffee bevor die Nachfrage einbrach, aufgrund des ersten Weltkrieges. Jedoch riss der Preisabfall nicht ab, im Gegenteil, während der 30er Jahre, als Hitler an die Macht kam, gab es noch weniger Geld für Kaffee. Daraufhin führte Getúlio Dornelles Vargas eine Rebellion der „großen Koalition der Unzufriedenen“ an, und wurde Präsident Brasiliens (von 1930 – 1945 und von 1950 – 1954). 1954 beging Getúlio Dornelles Vargas Selbstmord, die USA forderte seinen Rücktritt, konnte die sozialistische Politik Brasiliens nicht vertreten. Juscelino Kubitschek wurde der erste Nachfolger, sollte aber nicht der einzige bleiben, nach ihm kamen Jânio da Silva Quadros und João Goulart.

Militärdiktatur

1964 putschte das Militär gegen João Goulart. Marschall Humberto Castelo Branco übernahm vorübergehend die Macht und 1966 wurde ein alter Kriegsminister, Artur da Costa e Silva, zum Präsidenten erklärt. Er regierte bis 1969. Sein Nachfolger wurde Emílio Garrastazu Médici, ab 1974 regierte Ernesto Geisel das Land. Es folgte während der 70er Jahre ein Wirtschaftsboom, viele ausländische Investoren kamen nach Brasilien um einen Standort zu eröffnen. Noch bis heute ist Sao Paulo einer von Deutschlands größten Wirtschaftsstandorten außerhalb des eigenen Landes. 10 Jahre später jedoch dämmte die Militärregierung die wirtschaftlichen Veränderungen ein, was zur Inflation führte und einer großen Wirtschaftskrise innerhalb Brasiliens. Die Zeit war nun reif, die Bevölkerung entscheiden zu lassen welche Richtung das Land einschlagen soll, und so kam es zu freien Wahlen und der ersten Demokratie Brasiliens.

Demokratie

1985 fanden die ersten offenen Wahlen statt. Der gewählte Präsident Tancredo Neves jedoch konnte nicht regieren da er krank wurde und starb. José Sarney übernahm das Amt, der zum Vize zuvor ernannt wurde. Die Amtszeit währte nur 5 Jahre, zu viele Schulden, Korruption und Inflationen machten ihm zu schaffen. 1990 kam Fernando Collor de Mello an die Macht und wurde 1992 wegen Bestechlichkeit und Veruntreuung wieder abgesetzt. 1993 wurde die Bevölkerung in einem Referendum gebeten über die Staatsform Brasiliens zu entscheiden. Sie wählten die Republik. Fernando Henrique Cardoso veranlasste eine Währungsreform um die Inflation zu stoppen. Mit dem neuen „Plano Real“ gelang ihm das und so wurde er 1995 Präsident. Jedoch währte der Aufschwung nicht lange. 2003 übernahm Luiz Inácio Lula da Silva das Amt, der bis heute (Stand 10/09) den Präsident Brasiliens darstellt.